Die Kürzung bleibt – die Kritik daran ebenfalls
Latein-Petition warnt vor Sprachverarmung und fordert Kurskorrektur der Reform
Wien, [11.2.2026] – Beim Treffen zwischen Vertreter:innen der Latein-Petition und Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat sich bestätigt, was viele befürchteten: Der Minister will trotz breiter öffentlicher Kritik und der Unterstützung durch bisher mehr als 36.000 Unterzeichner:innen der Petition an der geplanten Kürzung des Lateinunterrichts festhalten.
Die bei diesem Treffen anwesenden Vertreter:innen der Petition, Daniela Strigl, Ludwig Laher, Isabell Wöhrer, Vea Kaiser, Gerhard Ruiss und Nina Hoppe, sprachen sich mit großer Bestimmtheit gegen die Verwirklichung des Vorhabens in den kommenden Unterrichtsplänen aus. Sie sehen in der Reduktion des Lateinunterrichts – und parallel dazu des Fremdsprachenunterrichts – eine bildungspolitische Weichenstellung mit katastrophalen Folgen.
REDUKTION DER STUNDEN SCHADET LESEREIFE
Mit dem geplanten Stundenausmaß für diese Fächer wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, Schüler:innen an die Lesereife heranzuführen. Statt der dringend benötigten vermehrten Schulung der Lesefähigkeiten kommt es zu weniger. Die Zeichensetzung eines Zuviel an Stunden in Sprachenfächern ist auch aus der Sicht der galoppierend schwindenden Lesekompetenz – 29 % der Erwachsenen in Österreich können lt. einer OECD-Studie 2024 entweder nicht lesen oder nicht verstehen, was sie lesen – nicht zu verantworten.
WENIGER LATEIN: WENIGER UNTERRICHT IN GESCHICHTE UND DEMOKRATIE
Ausgerechnet Sprachenfächer zu kürzen, hat auch für die favorisierten Bereiche der Reform Folgen. Der Sprache kommt nicht nur in den bisher unterrichteten Fächern eine Schlüsselrolle zu, sie hat sie ebenso im Umgang mit den geplanten neuen Unterrichtsschwerpunkten Demokratie, Medien und KI. Übersehen wird dabei zudem, dass Latein und Altgriechisch Mehrfachfunktionen besitzen, mit ihnen erschließen sich nicht nur bedeutende historische Quellen, sie sind auch der zentrale Zugang zur europäischen Kulturgeschichte. Weniger Latein bedeutet somit weniger Unterricht in Geschichte und weniger Unterricht in Demokratie.
Ein nicht mit genügend Raum ausgestatteter Sprachenunterricht bleibt im Erwerb eines phrasenhaften Sprachgebrauchs stecken, das hat in der Vergangenheit durch die Umleitung auf das Textsortentraining für die Zentralmatura auch vor dem Fach Deutsch nicht Halt gemacht, hier finden sich mit neuen Lehrplanvorgaben und besserer Einbindung von Gegenwartsliteratur nunmehr aber immerhin erste Ansätze zur Gegensteuerung.
ALTERNATIVVORSCHLAG: INTEGRATION STATT REDUKTION
Daran orientiert, haben die Vertreter:innen der Petition im Gespräch einen konstruktiven Alternativvorschlag eingebracht: Neue Inhalte und Querschnittsthemen sollen nicht durch die Schwächung bestehender Fächer eingeführt werden, sondern in diese integriert werden – mit klaren Schwerpunkten und ohne den Verlust bewährter Bildungsgrundlagen.
Die Fortsetzung des Gesprächs, auch in Form einer öffentlichen Diskussion, wurde von beiden Seiten gewünscht und auch bekräftigt. Klar ist jedoch: So lange die Kürzung des Lateinunterrichts und der Fremdsprachenfächer aufrecht bleibt, bleibt auch der Widerspruch aufrecht. Die Breite der Unterstützung zeigt, dass es dabei nicht um ein Festhalten von einzelnen obsolet gewordenen Bildungsangelegenheiten geht, sondern um zentrale Fragen der Bildungs- und Kulturpolitik und um Bildungs- und Kulturpolitik ganz generell.
Rückfragen & Kontakt:
Nina Hoppe
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E: office@ninahoppe.eu
Gerhard Ruiss
T: +43 664 405 74 94
E: gerhard.ruiss@chello.at


